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VillageOffice bringt das Büro zum Wohnort

Foto: John Patrick Walder
Foto: John Patrick Walder

Pendlerströme reduzieren und dezentrales Arbeiten fördern: Das will VillageOffice mit Coworking-Spaces erreichen, die sich nahe beim Wohnort der Arbeitnehmer befinden. Ein erster eigener Space wurde nun im Kunzwerk in Unterwindisch eröffnet.

Home-Office boomt – doch wer es schon mal ausprobiert hat, weiss, dass man sich zuhause nicht immer konzentrieren kann. Trotzdem würde es manch einer dem Büro vorziehen, um keine lange Strecke pendeln zu müssen. Eine Möglichkeit sind hier Coworking-Spaces, die Arbeitsplätze mit passender Infrastruktur anbieten.

Die meisten dieser Coworking-Spaces finden sich allerdings in grossen Städten, was für Menschen, die nicht in grossen Zentren wohnen, die Situation nicht entschärft. Hier setzt die Idee von VillageOffice an: In den nächsten Jahren will die Genossenschaft in kleineren Städten oder auf dem Land ein Netz von rund 1000 Coworking-Spaces aufbauen, die alle innerhalb von 15 Minuten vom Wohnort her erreichbar sind. Dafür werden bestehende Coworking Spaces eingebunden, neue Partner gewonnen und eigene Flagship Spaces eröffnet.

Foto: John Patrick Walder
Foto: John Patrick Walder

An der Ursache ansetzen

«Wir wollen lokale Gemeinschaften stärken und ihnen ihre Sinnhaftigkeit zurückgeben», erklärt Mitgründer Dave Brühlmeier.  «Und das kann uns gelingen, wenn die Leute nicht jeden Tag vom Wohnort wegpendeln, um ihren Tag woanders zu verbringen.»

Diese Idee, dezentrales Arbeiten zu fördern und die Pendlerströme zu reduzieren, war es, die Engagement Migros ins Auge sprang. Die Projektverantwortliche Leila Hauri sagt dazu: «Es ist ein nachhaltiges Mobilitätskonzept, das nicht Symptome bekämpft, sondern an der Ursache ansetzt.» Also am Fakt, dass viele Menschen nicht mehr dort wohnen, wo sie arbeiten.

Ein erster Flagship-Space von VillageOffice wurde nun mit Partner HIAG Immobilien feierlich eröffnet – im Kunzareal in Unterwindisch, knappe 12 Busminuten vom Bahnhof Brugg entfernt. Emilie Etesi leitet das dortige VillageOffice und freut sich kurz nach der Eröffnung und ohne gross angelegte Werbekampagne bereits über vier abgeschlossene Verträge: «Ganz offensichtlich decken wir ein Bedürfnis ab», sagt sie. 15 Arbeitsplätze sind vorhanden, man kann sich für einzelne Tage einmieten, aber auch für Monate oder Jahre.

«Wir legen viel Wert auf das Gemeinschaftsgefühl.»

In der Mitte des Raumes befindet sich eine Holzkonstruktion, auf deren Dach es sich auf bequemen Polstern sitzen lässt – eine komfortable Lounge, die auch die Möglichkeit für Brainstorming-Sitzungen bietet. Auch im Erdgeschoss gibt es Plätze zum Ausspannen. «Leider verfügt dieser Space hier über keine Küche», sagt Etesi. An anderen Standorten, etwa jenem in Solothurn, der im Mai eröffnet werden soll, werde es eine geben, denn: «Gemeinsames Kochen verstärkt das Gemeinschaftsgefühl, auf das wir viel Wert legen.»

Eine Kaffeemaschine aber ist vorhanden, und sogar ein Wassernapf für Hunde steht im Regal – gleich neben Spiel- und Malsachen für Kinder, falls diese mal mit müssen ins Büro. «Das Kunzwerk ist im Moment vor allem auch dazu da, dass wir lernen», sagt Etesi. «Plötzlich merkt man, was fehlt: Eine Telefonkabine für vertrauliche Gespräche beispielsweise.» Diese wird nun gerade gebaut.

Foto: John Patrick Walder.
Foto: John Patrick Walder.

Spannend für globalisierte Firmen

Jetzt, wo der erste eigene Space eröffnet ist, wollen die Verantwortlichen von VillageOffice vor allem auch grosse, internationale Unternehmen ansprechen. «Wir denken, dass für globalisierte Firmen unsere Idee sehr spannend sein kann», erklärt Etesi. Auch die Fachhochschule Nordwestschweiz, die manche Institute direkt beim Bahnhof Brugg hat, käme als interessanter Partner für den Raum in Unterwindisch in Frage.

Für die Er- und Einrichtung der Spaces setzt VillageOffice immer auch auf Partner vor Ort. In Unterwindisch hat zum Beispiel der ortsansässige Schreiner für die Inneneinrichtung gesorgt, und das Essen für die Eröffnung kommt von lokalen Betrieben. «Diese Einbindung ist uns sehr wichtig», sagt Emilie Etesi. «Denn nur wenn wir akzeptiert sind, kann unser Konzept gut funktionieren.»