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Bauen, nicht verbauen im Haus der Gegenwart  

#Haus der Gegenwart
Jetzt wird es konkret: Grundsteinlegung des Haus der Gegenwart.

Wenn ein Museum «Projekte» entwickelt, dann denkt man normalerweise an Ausstellungen oder Veranstaltungen. Am Stapferhaus Lenzburg indessen ist einiges ein wenig anders als an anderen Museen – zunächst und vor allem einmal, dass sich der Ausstellungsort gar nicht als «Museum» versteht, sondern als ein Ort, wo Fragen der Zeit gestellt und Antworten der möglichst vielstimmigen Art gesucht werden. In diesem Moment aber ist sowieso alles anders, weil das Stapferhaus endlich von einem Provisorium zu einem festen Ort wird – und parallel zum Neubau des Ausstellungsgebäudes auch die inneren Strukturen überdacht werden.


Feste Mauern, flexible Inhalte 

«Dieser Veränderungsprozess ist eben auch ein Projekt», sagt Sibylle Lichtensteiger, und man hört ihr an, dass sie dieses kaum weniger spannend findet als diejenigen, mit denen sie es als Leiterin des Hauses sonst zu tun hat. Tatsächlich stellen sich beim Bau interessante Fragen: Wie soll ein Haus aussehen, das kein Museum ist? Wie kann Architektur eine «offene Spielwiese» schaffen? Aber auch: Soll eine (notabene sehr erfolgreiche) Institution auf «Repräsentation» verzichten? Ganz ähnliche Fragen stellen sich auch für die inneren Strukturen: Wie baut man einen Betrieb so, dass er flexibel bleibt? Welche Strukturen fixiert man, welche Prozesse schreibt man besser nicht fest?

«Ein cleveres Betriebskonzept ermöglicht es, sich inhaltlichen Fragen zu widmen.»

Ihre Erkenntnis aus den letzten Monaten: Das Ganze gestaltet sich als dauernde Gratwanderung, Prozesse müssen organisiert werden, aber eben nicht zu starr. Deshalb unterstützt Engagement Migros das Team, die internen Abläufe und das Leitbild mit einem externen Coach zu erarbeiten. «Ein cleveres Betriebskonzept ermöglicht der Institution auch bei einem Ganzjahresbetrieb, sich weiterhin engagiert den inhaltlichen Fragen widmen zu können,» sagt Petra Miersch, Projektleiterin bei Engagement Migros. «So wird es dem Stapferhaus auch künftig möglich sein, Selbstverständliches zu hinterfragen und einen Dialog über unterschiedliche Ansichten zu initiieren.» 

Ein wichtiger Moment für das Haus und seine Leiterin, Sibylle Lichtensteiger.

Bauen, sich dabei aber nichts verbauen, wie es Lichtensteiger schön sagt, gilt selbst bei ganz praktischen Aufgaben wie bei der Anschaffung neuer digitaler Tools: Wo helfen sie, wo binden sie einen fest? Bereits gefunden wurde eine gute Lösung beim Customer-Relationship-Management-System (CRM) und Ticketing– letzteres wurde notwendig, weil das Stapferhaus Lenzburg vom eigenen Erfolg überrollt zu werden drohte: zu viele BesucherInnen wollten gleichzeitig in die aktuelle HEIMAT-Ausstellung. Auch als eine Art Testlauf im Hinblick auf das «Haus der Gegenwart» wurde deshalb mit dem jungen Partner Ticketfrog ein massgeschneidertes Online-Ticketingsystem eingeführt.

Neuer Name

Offensichtlichste Baustelle, neben der physischen Baustelle direkt am Bahnhof Lenzburg: der Name. Soll der Arbeitstitel «Haus der Gegenwart» stehen bleiben? Oder soll man den Namen «Stapferhaus Lenzburg» mit in die Zukunft nehmen? Oder etwas ganz anderes versuchen? Der Entscheid wird ein nächster wichtiger Meilenstein.