Direkt zum Inhalt

Mit offenen Lebensmitteldaten Innovationen ankurbeln: Business Innovation food.opendata.ch

Die Halle in Amsterdam ist riesengross. Überall diskutieren und referieren junge Leute aus aller Welt über ein Thema: Die Ernährung der Menschheit. Auch Maryam Yepes aus Lausanne ist hier. Die Erfinderin lässt ihre Web-App testen: “NutriMenu zeigt Köchen von Grossküchen auf, ob ihr Menüplan den nationalen Ernährungs-Empfehlungen entspricht.” Hier am Thought for Food Summit will Yepes herausfinden, ob die Schweizer Software auch mit den Ernährungsempfehlungen anderer Länder kompatibel ist. 

Das Schweizer Projekt ist an der internationalen Konferenz dank des Programms Business Innovation food.opendata.ch, das aus Lebensmitteldaten Wert schöpfen will. Doch: Was haben Daten mit Essen zu tun? “Auf den ersten Blick wenig”, erklärt der  Online-Unternehmer Hannes Gassert. “Wer isst, geniesst und ernährt sich noch immer analog und nicht digital. Und doch liegt neben dem Teller immer öfters das Handy.” Gassert ist als Vizepräsident des Vereins Opendata.ch verantwortlich für das von Engagement Migros ermöglichte Innovationsprogramm. Dessen Ziel ist es, offene Daten für Innovation einfach nutzbar zu machen.

“Von offenen Daten profitieren alle.”

“Open Data heisst, dass auf diese Daten alle zu jeder Zeit kostenlos zugreifen können”, führt Gassert aus. Welches Potenzial in solchen Daten steckt, lässt sich am Beispiel des Navigationssystems GPS illustrieren. “Seit Satellitendaten nicht mehr nur für das Militär zugänglich sind, erfuhren Smartphones und ein ganzes Ökosystem von App  einen enormen Innovationsschub.” Würden Unternehmen ihre Daten zugänglich machen, könnten riesige Innovationslabors geschaffen werden. “Die Hauptfunktion der neuen SBB-App etwa hat nicht die SBB erfunden, sondern ein Team unabhängiger Entwickler, die sich aus eigenem Antrieb mit den offenen Daten der SBB an die Arbeit machten.“ Darum ist Gassert überzeugt, dass von offenen Daten alle profitierten. Denn sie beschleunigen den Innovationszyklus und tragen somit zur Wertschöpfung bei. „Das funktioniert auch im Food-Bereich,“ ist sich Gassert sicher.

Mit Lebensmitteldaten zu innovativen Apps 

Im Februar startete das Innovationsprogramm deshalb mit Hackdays für die Open Data Community. Dabei schlossen sich rund 200 Wissenschaftler, Programmierer und Designer für 24 Stunden ein, entwickelten Ideen und programmierten rohe Prototypen. Auch Maryam Yepes war mit NutriMenu dabei, einem Startup, das im Gegensatz zur Mehrheit der Teilnehmenden bereits als Firma gegründet ist. Im Vordergrund stehe die intensive Vernetzung, so Yepes: “Hier kommt sehr viel kreative Energie zusammen. Wichtig ist, dass die Energie nachher nicht verpufft.” Denn oft fehle es an Geld und am Netzwerk. 

Nachhaltige Hackdays

Hier greift die Unterstützung durch Engagement Migros, die Business Innovation food.opendata.ch den längerfristigen Horizont verschafft. An den Hackdays wurden von 20 Projekten sechs ausgewählt, die auf dem Weg zur Marktreife weiter begleitet werden. Teams, die sich vorher nie gesehen hatten, können sich nun Zeit nehmen, ihr Projekt zu entwickeln. Die Teams erhalten neben finanzieller Unterstützung bei Bedarf auch einen Coworking-Arbeitsplatz und ein Coaching durch den Verein Opendata.ch und dessen weit verzweigtes Netzwerk. Dabei geht es auch darum, die Teams mit Investoren zu vernetzen.

In Amsterdam neigt sich der Testathon - so wird ein Testlauf von Apps genannt - dem Ende zu. Maryam Yepes ist zufrieden. Über zwanzig Menschen testeten ihre Web-App NutriMenu. “Jetzt wissen wir, dass sich NutriMenu auch in anderen Ländern verwenden lässt.” In der Schweiz wird die Web-App bereits genutzt: Die Stadt Lausanne überprüft mit NutriMenu die Menüpläne ihrer Schulen. Mit Erfolg: Die Menüs sind gesünder geworden. Nun möchte Maryam Yepes Kantine für Kantine auch andere Städte und Kantone von der Web-App überzeugen. Das Programm Business Innovation food.opendata.ch wird ihren Weg begleiten und beschleunigen.